Karate als begleitendes Bildungskonzept

Disziplinierte Kinder stehen weiß gewandet in einer Reihe mit geschlossenen Füßen, die Hände an der Hosennaht nach Größe sortiert und wagen nicht ein Wort zu sagen, während der Karate Lehrer spricht.

So, oder so ähnlich stellt sich für einen Aussenstehenden oft der Beginn einer Karatestunde dar. 

In meiner langjährigen Erfahrung als Führungskraft und (Karate-) Lehrer habe ich oft zu hören bekommen: "Ja, wenn das doch bei mir auch so sein würde... Die benehmen sich nur bei Ihnen so... Wie machen sie das nur... Ihre Nerven müsste man haben..." usw. 

Dabei ging es im Gespräch nicht immer um Kinder/Schüler. Mancher Manager mit Personalführungsverantwortung steht täglich vor der Frage, warum Menschen nicht folgen, von Ideen nicht begeistert sind, die Vision nicht sehen. Doch dazu später an anderer Stelle mehr.

Nun, das oben beschriebene Szenario ist nur die eine Seite der Medaille. Karate zu trainieren und zu unterrichten bedeutet zunächst für den Unterrichtenden selbst ein Leben lang zu lernen, sich zu entwickeln, den eigenen Charakter zu formen, den Willen zu stärken und in letzter Konsequenz die (Kampf-)Kunst mit dem täglichen Leben zu verbinden.

Unsere Mitmenschen, egal welchen Alters, spüren in jeder Situation, ob wir an das glauben was wir sagen. Authentisch zu sein ist das Fundament jeder Führung. Führende müssen für die Folgenden verlässlich und berechenbar sein. 

Besonders vor diesem Hintergrund bietet sich Karate als unterichtsbegleitendes Konzept für Schulen an.

Die unmittelbare Erfahrung von nicht verhandelbaren Regeln ist besonders für junge Menschen in der heutigen Zeit eine besondere Erfahrung. Dabei zeichnen sich Karate Lehrer aus traditionellen Systemen durch eine "innere Autorität" aus, die Ihresgleichen sucht.

 

Aus einem Aufsatz, den ich an anderer Stelle zum Thema Karate und Verhaltensauffällige Kinder/Jugendliche geschrieben habe:



Karate führt gerade junge Menschen an das Aushalten von körperlicher Nähe, die Erfahrung von Schmerz, aber auch das Respektieren von anderen Individuen und deren Bedürfnissen heran.

Die Entwicklung von Körpergefühl und Bewegungserfahrung aber auch Sieg und Niederlage stehen ebenso im Fokus.

Darüber darf man nicht vergessen, das das Erlernen einer Kampfkunst in erster Linie der Charakterschule dient. Es geht nicht um erlernbare Rollenspiele und Erlebnispädagogik, sondern um das Erleben im „hier und jetzt“. Eine solide angeleitete Karate Gruppe bietet das Umfeld alles in „Echtzeit“ auszuprobieren. Handlungen werden unmittelbar gespiegelt und rufen in der Regel eine sofortige Reaktion des Trainingspartners hervor.

Die Kunst des Karate ist hinsichtlich der körperlichen und mentalen Möglichkeiten fast ohne Parallele (nach: KARATE, die Kunst der leeren Hand, von Hidetaka Nishiyama, S.14f). Sie ist äußerst dynamisch und bietet ein umfassendes Allgemeintraining, das geeignet ist, Koordination und Geschicklichkeit optimal zu fördern (ebd. Seite 14).

Konkret geht es um das Erfahren und Erlernen folgender Kompetenzen:

 

  • Ausdauerndes und intensives Spiel,
  • Genießen können von Individualität,
  • Spüren von Anerkennung in der Gruppe,
  • Nutzen der Gruppendynamik,
  • Selbstkontrolle,
  • Entspannung,
  • Eigen - und Fremdwahrnehmung,
  • Ein - und Unterordnung in Gemeinschaft,
  • Erlernen und Einübung sozial Verträglichen Verhaltens,
  • selbstkritische Bewertung von Konflikten,
  • Frustrationstoleranz,
  • Bewusstwerdung eigener Stärken aber auch Schwächen,
  • Aufbau einer sozialverträglichen Art und Weise Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen.

Der Nutzen des Trainings liegt also auf der Hand.

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