Jukuren - die Kunst der Erfahrenen

Myo wa kyojitsu no kan ni ari

 

Es liegt etwas Zartes zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren

 

Masatoshi Nakayama (1913 - 1987) 

Karate Do - die Wegschule

 

In Japan, dem Ursprungsland des Shotokan Karate, genießen ältere Mitmenschen einen ganz besonderen Respekt. Die Weisheit und die Lebensleistung werden in außergewöhnlichem Maße gewürdigt.

Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, Karate nicht als Sport, sondern auch die geistige Haltung des Respekts als Trainingsinhalt zu vermitteln. Wertschätzung für die Trainierenden über das Training hinaus ist in unserer schnelllebigen, leistungsorientierten Zeit wichtig.
Karate als Do (Weg) Schule vermittelt, dass nicht das Erreichen von Auszeichnungen oder besonderen sportlichen Höchstleistungen das Ziel ist. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Leistungsfähigkeit, das Anstreben persönlicher Verbesserungen, das Erleben von Training in der stärkenden Gruppe, das Überwinden von (oft) selbst gesetzten Grenzen sind das Ziel von Karate Training für ältere Menschen.

 

 

Sport für Senioren

 

Es ist allseits bekannt, dass regelmäßige sportliche Betätigung Menschen jeden Alters gut tut! 

Besonders ältere Menschen sollten auf sportliche Betätigung nicht verzichten.

Der aktive Körper steigert die Funktionsfähigkeit der Organe, die Belastbarkeit der Muskeln, Gelenke und Sehnen. Das Risiko von chronischen Erkrankungen wird spürbar gesenkt.

Darüber hinaus belegen aktuelle Studien (*), dass auch die Denkfähigkeit verbessert wird.

 

 

Karate als „Sport“ für ältere Menschen

 

Karate dient in erster Linie der Verbesserung der motorischen Fähigkeiten. Besonders bei älteren Menschen steht die rechts-/links Koordination, die Verbesserung des Muskeltonus, die Funktion der Gelenke, kurzum die Gesunderhaltung des ganzen Körpers im Fokus.

Darüber hinaus lernt der Karate Übende „neu“ zu atmen. Die bewusste Wahrnehmung von Bewegung und Atmung kann im Alltag zu einer deutlichen Verbesserung der Konstitution führen. Durch die Bewegung in Verbindung mit einer bewussten Atmung wird die Lebensenergie (jap. Ki) aktiviert.
Zusätzlich wird durch das ungewohnte Tun die Denkfähigkeit erhöht. Neue Bewegungen und das Merken von verschiedenen Abläufen regen das Gehirn zu vermehrter Aktivität an. 

 

 

Karate Do und Selbstverteidigung

 

In erster Linie bedeutet „Kara Te“ leere Hand. Die erlernten Techniken sind auch als „Waffe“ zu begreifen. Faust, Handkante, Ellenbogen, Fuß und Knie sind die Waffen des Menschen, welche durch Karate auf die Benutzung zur Selbstverteidigung vorbereitet werden. 

Im Fokus des Karate Do Trainings (Weglehre) steht allerdings die Prägung des Willens hinter der Waffe. Der Wille birgt die Gefahr, nicht die Waffe selbst.

Das richtig verstandene Karate Do bietet die Möglichkeit den Weg des Friedens zu entdecken. Unter Anleitung eines erfahrenen Lehrers führt es zu einer Beherrschung der inneren und äußeren Kräfte des Menschen. Karate begreift den Körper als Waffe, mit der realistisch geübt werden muss, aber immer unter strengster Kontrolle. 

Es geht darum einen potentiellen Angreifer mit den gebotenen Mitteln zur Vernunft zu bringen.

 

 

Karate Do und Angst

 

Das Vertrauen in die sichere und „überlegene“ Handhabung des eigenen Körpers befreit den Übenden von Angst. Zum einen bietet dieses Gefühl mehr Raum für Gespräche und friedlichen Begriffsaustausch. Darüber hinaus eröffnet es auch die Chance, sich von einer möglichen Konfrontation zu entfernen. 

Ohne Angst gibt es auch keine unkontrollierte und gefährliche Erregung. Wer vor allem sich, aber auch seinen potentiellen Gegner und dessen Gemütszustände kennt, ist in der Lage zu siegen, ohne zu kämpfen.

Der starke Mensch weicht dem Kampf aus, denn er hat niemandem mehr etwas zu beweisen. 

Gerade im Seniorentraining ist dies ein wichtiger Aspekt. Ältere oder eingeschränkte Menschen sind durch die Paradigmen unserer Leistungsgesellschaft oft stark verunsichert. Sie schätzen sich oft als nicht mehr leistungsfähig ein und leiden häufig an einem Gefühl der Minderwertigkeit. 

Gerade im philosophischen Teil des Karate Do Trainings kann aber auf die positiven Aspekte des Alters eingegangen werden. Lebenserfahrung, Reife, innere Gelassenheit sind Aspekte, die die reine Muskelkraft wieder in den Hintergrund treten lassen können. 

Durch die neue oder wiedergewonnene Erfahrung der Verbesserung der Konstitution können auch Ängste bezüglich Verletzungen, Stürzen usw. gemildert werden.

 

 

Karate Do und Glück

 

Ein Begriff aus der Biologie der zu diesem Thema passt ist „Selbstorganisation“. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, das alles was lebt, sich im Rahmen der vorgefundenen Bedingungen selbst organisiert. Das menschliche Gehirn tut dies im Gegensatz zu Computern nicht linear, da es einen Sinn für Bedeutsamkeit hat. Gerade „Älter werden“ oder „Krankheit“ werden von Menschen immer wieder als Zäsur wahrgenommen. Das Gehirn gerät in Aufruhr und sucht verzweifelt nach einem Alternativprogramm, um „seinen Menschen“ zu schützen. In besonders schweren Fällen tritt unser archaisches Notfallprogramm auf den Plan, welches uns als Alternative Angriff, Flucht oder Angststarre bietet. 

Leider erleben wir in unserer Welt häufig die dritte Alternative. Allerdings kann man feststellen, dass Verunsicherung auch dazu führt, dass wir Menschen bestrebt sind, in uns selbst angelegte Stabilität wiederzufinden. Wir wollen uns selbst wieder vertrauen. Das kann auf den drei folgenden Wegen geschehen:

 

1.) Rückgewinnung von eigenen Kompetenzen

2.) Vertrauen in die Hilfe durch andere - Gemeinsames Lösen von Problemen

3.) Vertrauen in Sinn / Orientierung / Werte

 

Fazit: Ist die Welt um uns herum unsicher (Ältere Menschen nehmen ihre Umwelt oft als bedrohlich und unsicher wahr), so sind wir gezwungen uns selbst so zu organisieren, dass wir in uns selbst stabiler werden. 

Hier greift das traditionelle Karate Do Training. 

Der Trainierende erlebt die Rückkehr von eigenen Kompetenzen im Sinne von Körperlichkeit, Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer.

Das Training in der Gruppe fördert das Erleben von Hilfe durch andere. Das Gefühl des „Allein vor Problemen stehens“ wird gemildert. Der Trainierende erfährt praktisch, dass auch andere die gleichen Erfahrungen machen, kann aber auch von deren Lösungsansätzen profitieren.

Letztendlich vermittelt Karatetraining auch Werte. Der Begriff der Etikette und des gegenseitigen Respektes sind nicht leere Form sondern gelebter Inhalt.

Schon als unverrückbar angenommene Glaubenssätze wie „Ich kann das nicht“ können aufgelöst werden.

Glaubenssätze sind fest verankerte Denkmuster (oft mit Erfahrungshintergrund), aus denen es ohne die Hilfe eines „Lehrers“ keinen Ausweg gibt.

Wie kommen wir aus alten Denkmustern heraus? Neues denken erfordert neues fühlen!

Man kann zeitlebens umdenken und „umfühlen“, wenn es einen Grund gibt, der stark genug ist. Der Grund heißt Begeisterung. Begeisterung führt zur Ausschüttung neuroplastischer Botenstoffe, welche dann wieder zu neuen Vernetzungen im Gehirnen führt. Dies kann nicht theoretisch sondern nur praktisch erfahren werden.

Diese Begeisterung für regelmäßiges Training ist der Grundstein für ein „neues“ glückliches Leben!

 

 

Spiele

 

Das Erlernen von neuen Fähigkeiten kann durch Spiele erleichtert werden. Glücksgefühle, Erfolgserlebnisse, positive Stimmungen, lautes Lachen u.v.m. sind Rahmenbedingungen, die die Lernatmosphäre verbessern.
Spiele sind als Methode zum Vermitteln von neuen Inhalten oft sinnvoller als der erhobene Zeigefinger.
Und auch wenn der Kunst des Karate Do oft ein sehr ernster Nimbus anhaftet, so bietet sich durch kontextbezogene Spiele die Chance, dem Lernenden eine ganz neue Begeisterung als Lernmodell zu bieten.

 

 

Das Training

 

Die richtige Beanspruchung der Muskulatur ist das Kernziel im Karate Do Training. Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen der Muskelkraft (Chikara) und der inneren (Körper-) Energie (Ki). Je länger das Training voranschreitet, desto mehr kann diese innere Körperenergie die „oberflächliche“ Muskelkraft, welche ein Privileg der Jugend ist, ersetzen.

Die gleichzeitige Benutzung von Händen und Füßen, sowie die Aktivierung der Hüfte schenken Karate Trainierenden oft ein ganz neues oder vergessen geglaubtes positives Körpergefühl.

In der Karate Technik wird für einen kurzen Moment die ganze Körperkraft auf einen bestimmten Punkt konzentriert. Die beanspruchten Muskeln werden blitzschnell für einen kurzen Moment angespannt. Diese Spannung kann sowohl in einer statischen Stellung, als auch in einer dynamischen Bewegung erreicht werden. Bei der Karate Bewegung wird also die Muskelkraft zu übertragbarer Energie. Die hierbei benötigte Spannung setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

1.) Die Stellung des Körpers

2.) Die Ausführung der Technik

Diese beiden Spannungen sind in der Hüftgegend / Unterbauch (Hara) miteinander verbunden.

Gerade für den Anfänger steht deshalb das Erreichen eines „sicheren“ Gefühls im Stehen und in wenigen einfachen Bewegungen als Lernziel im Vordergrund. Tiefe und breite Stände (sofern möglich) ermöglichen die Senkung des Körperschwerpunktes und vergrößern die sichere Standfläche.

Aus diesem festen Unterbau generiert der Anfänger dann die verschiedenen Schlag - oder Abwehrtechniken. Für viele - besonders ältere - Menschen ist das Erleben des festen Stehens die Rückkehr in ein verloren geglaubtes Selbstvertrauen.

Um Einseitigkeit vorzubeugen wird auch die Flexibilität der Gelenke und die Dehnung der Muskeln trainiert. Wie in vielen asiatischen Lehren spielt auch hier der Ausgleich der Gegensätze hart / weich, schnell / langsam eine zentrale Rolle. Wenn der Trainierende das Gefühl der Festigkeit kennt, kann er dies durch bewusste Entspannung wieder in einer neuen Facette erleben. Der nächste Schritt ist also das Erleben von Stabilität jenseits der Muskelkraft.

 

Das Partnertraining wird, angepasst an die Zielgruppe, immer kraftvoll und schnell ausgeführt und dennoch kurz vor dem Ziel gestoppt (sun dome). 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Carsten Metz Dienstleistungen

Erstellt mit 1&1 MyWebsite.